Warum Start-ups eine ESG Strategie brauchen

29. April 2024

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Investoren sind zunehmend zurückhaltend, in Start-ups zu investieren, die keine klaren ESG-Ziele definieren. Kein Wunder, schließlich ist Nachhaltigkeit nicht nur “nice to have”, sondern trägt auch zum langfristigen Erfolg eines Unternehmens bei. Aber was genau sind ESG-Ziele, wie bringt man sie im Businessplan oder Read-Deck unter und was genau bringt  das? 

Im Jahr 2024 kommen Start-ups kaum am Thema Nachhaltigkeit vorbei – dabei geht es aber schon lange nicht mehr nur um die Vermeidung von Plastik oder CO2, sondern um einen ganzheitlichen Blick. Mittlerweile haben sich drei Dimensionen bei der Nachhaltigkeitsbewertung etabliert: Umweltschutz (Environmental), soziale Gerechtigkeit (Social) und gute Unternehmensführung (Governance), kurz ESG. Environmental betrachtet beispielsweise die Verschmutzung oder Gefährdung der Umwelt, Treibhausgasemissionen, Fragen der Energieeffizienz oder Auswirkungen auf die Artenvielfalt sowie die Nutzung von Ressourcen. Social beinhaltet Faktoren wie Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz, Diversität und gesellschaftliches Engagement, bezieht aber beispielsweise auch die Ernährungssicherheit oder den demografischen Wandel ein. Governance meint Aspekte der Unternehmensführung wie Unternehmenswerte, Steuerungs- oder Kontrollprozesse – spezifisch zum Beispiel das Risikomanagement oder Maßnahmen zur Vermeidung von Korruption.  

Investoren, Kunden, Regulationen – alle schauen auf ESG
Die Bedeutung von ESG-Zielen ist besonders für Start-ups nicht zu unterschätzen, die in einer zunehmend vernetzten und umweltbewussten Wirtschaft agieren, denn immer mehr Akteure im Umfeld von Start-ups sehen das Thema als relevant an. 

Investoren beurteilen Start-ups heute nicht mehr nur nach ihrem potenziellen finanziellen Ertrag, sondern integrieren auch eine gründliche Analyse der ESG-Faktoren in ihre Risikobewertung. Ein überzeugendes Engagement für ESG-Ziele kann daher Start-ups einen entscheidenden Vorteil verschaffen, da es nicht nur die Nachhaltigkeit und ethische Ausrichtung des Unternehmens zeigt, sondern auch ein Bewusstsein für langfristige Risiken und deren Management widerspiegelt. Durch die Einbindung dieser Ziele in den Businessplan demonstrieren Start-ups ihre Fähigkeit, zukünftige Herausforderungen proaktiv zu adressieren und sich an globale Standards anzupassen, was ihre Attraktivität für Investoren weiter steigert. Der High-Tech Gründerfonds als Deutschlands wichtigster Seed-Investor legt beispielsweise besonderen Wert auf Nachhaltigkeit und Diversität im Besonderen, da diese Faktoren für weitere Finanzierungsrunden von neuen Investoren verstärkt gefordert werden. 

Gleichzeitig steigt auch das Bewusstsein für Nachhaltigkeit bei Verbrauchern oder Partnern. Verbraucher bevorzugen mehr und mehr Produkte, die ökologische und soziale Verantwortung übernehmen. Auch Unternehmen achten bei der Auswahl ihrer Partner immer mehr auf Nachhaltigkeit, da auch ESG-Kriterien von beispielsweise Herstellern, Zulieferern oder anderer Akteure in der Wertschöpfungskette sich direkt auf deren Nachhaltigkeit im Gesamten auswirken. Zusätzlich unterliegen große Unternehmen immer häufiger Berichtspflichten über eigene Aktivitäten und zum Teil der Aktivitäten der Zulieferer, Kooperationspartner und auch Investments in Start-ups. Darüber hinaus werden Umwelt- und Sozialstandards weltweit generell gefördert: Die Vereinten Nationen haben beispielsweise 17 Nachhaltigkeitsziele formuliert. Neben solchen eher symbolischen Akten wird aber auch in vielen Branchen zunehmend reguliert – gesetzlich bindend. Wer ESG-Ziele schon heute implementiert, kann künftige regulatorische Herausforderungen leichter bewältigen und vermeidet Risiken von Strafen oder Reputationsverlust.

10 Leitfragen zu ESG und Nachhaltigkeit im Businessplan
Für Start-ups macht es Sinn, ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu entwickeln und dieses auch direkt im Businessplan oder Read-Deck zu berücksichtigen. Als erster Ansatzpunkt kann es sich lohnen, sich mit den folgenden 10 Leitfragen auseinanderzusetzen, um ESG-Ziele frühzeitig festzulegen und in das Read-Deck einzuarbeiten: 

  1. Enthält das Read-Deck einen Bezug zu den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen oder zu Nachhaltigkeitsherausforderungen?
  2. Wird mit der Geschäftsidee ein ökologisches, ökonomisches oder gesellschaftliches Problem adressiert?
  3. Wird ein gesellschafts- und nachhaltigkeitsbezogener Mehrwert für die Kundschaft erbracht?
  4. Werden relevante ökologische bzw. ökonomische bzw. soziale Produkt- oder Branchenstandards z.B. bei der Produktion oder der allgemeinen Unternehmensführung berücksichtigt?
  5. Welche wesentlichen Auswirkungen hat die Lieferkette auf Gesellschaft und Umwelt?
  6. Gibt es im Team eine klare Zuständigkeit für Fragen der Nachhaltigkeit?
  7. Bieten sich für das Start-up besondere Chancen mit Blick auf Nachhaltigkeit?
  8. Gibt es Maßstäbe, sog. Key Performance Indicators (KPIs), um die Nachhaltigkeit zu messen bzw. sind welche geplant?
  9. Gibt es ein Konzept für die gleichberechtigte Behandlung der Mitarbeitenden?
  10. Ist die Bedeutung von Nachhaltigkeit im Zielmarkt sowie wichtige Zukunftsentwicklungen berücksichtigt?

Nachhaltigkeit bei Science4Life

Auch in der Konzeptphase und Businessplanphase des Science4Life Venture Cup und Science4Life Energy Cup kommt dem Thema Nachhaltigkeit eine größere Bedeutung zu. Damit Start-ups in ihrem Read-Deck ein Kapitel zum Thema Nachhaltigkeit bestmöglich einarbeiten können, wurde auch das Science4Life Handbuch zur Erstellung eines Read-Decks um einen Leitfaden zum Thema ergänzt. Wer sich mit dem Thema Nachhaltigkeit umfassender auseinandersetzen möchte, findet in Kapitel 4 weitere Tipps, Hintergrundinformationen und Standards zur Nachhaltigkeitsbewertung. Das Handbuch kann hier kostenlos angefragt werden.

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