Ein Impfstoff nach dem Baukastenprinzip: Interview mit Prime Vector Technologies

9. April 2020

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Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Wir sind die Prime Vector Technologies GmbH und haben uns Ende 2019 aus der Abteilung Immunologie der Universität Tübingen ausgegründet. Wir entwickeln Impfstoffe der nächsten Generation auf Basis eines viralen Vektors. Nach dem Baukastenprinzip können wir diesen mit Antigenen und immunstimulierenden Elementen ausstatten und somit den idealen Impfstoff konzipieren der exakt auf die entsprechenden Bedürfnisse der Erkrankung ausgerichtet ist.

Welches Problem löst Euer Start-up?

Obwohl Impfstoffe als eine der größten medizinischen Errungenschaften gelten und ein sehr hoher Bedarf vorhanden ist, sind insbesondere in der jüngeren Vergangenheit nur wenig neue Impfstoffe zugelassen worden. Hauptgrund hierfür ist, dass die etablierten Technologien nicht ausreichend immunogen sind und gegen viele Erreger kein ausreichender Schutz vermittelt wird. Mit unserer Technologie sind wir in der Lage, das Immunsystem optimal gegen den Erreger zu aktivieren und ein immunologisches Gedächtnis zu etablieren, das vor nachfolgenden Infektionen schützt.

Was waren bislang die größten Herausforderungen für Euch?

Die größte Herausforderung war wohl die Formulierung der Bedingungen, zu denen ein Technologietransfer von der Universität in das Start-Up erfolgen kann. Da es nur wenig Referenzen gibt und jedes Ausgründungsvorhaben unterschiedlich ist, müssen die Konditionen in intensiven Gesprächen definiert werden. Letztlich hatten aber beide Parteien dasselbe Interesse: Ein Startup zu realisieren, dass nachhaltig wirtschaften und wachsen kann.

Auf welche erreichten Meilensteine seid ihr besonders stolz?

Der Sprung von der Uni in ein eigenes Unternehmen war sehr aufregend. Den ersten Kunden zu akquirieren und das erste Geld zu verdienen war eine tolle Erfahrung. Derzeit sind wir in den finalen Verhandlungen mit einem großen Pharmaunternehmen und hoffen den erfolgreichen Abschluss zeitnah bekannt geben zu können. Zudem zeigt uns das große Interesse vonseiten der VCs, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden.

Dass uns das Ministerium mit der Entwicklung eines COVID-19 Impfstoffs beauftragt hat und uns dafür 1,35 Mio. € zur Verfügung stellt, ist eine extrem motivierende Auszeichnung, eine große Wertschätzung und ein toller Vertrauensbeweis.

Wer oder was hat euch bisher einen echten Erfolgsschub gegeben?

Das kritische Feedback im Rahmen des Science4Life Businessplan-Wettbewerbs ist super hilfreich, da es von Experten mit unterschiedlicher Expertise kommt. Auch Gespräche mit dem Projektträger Jülich, den regionalen Gründungsnetzwerken (Uni Tübingen, BioRegio STERN, Bio-Pro, TF R-T), industriellen Kooperationspartnern und anderen Gründern haben uns sehr geholfen, unsere Kunden zu verstehen und unser Geschäftsmodell zu verfeinern.

Wo möchtet ihr in einem Jahr sein und was wollt ihr in drei Jahren erreicht haben?

In einem Jahr möchten wir unsere erste präklinische Studie abgeschlossen haben und eine Serie A Finanzierungsrunde abgeschlossen haben. Innerhalb der nächsten 3 Jahre planen wir zusammen mit strategischen Partnern die Initiierung der klinischen Entwicklung eines Impfstoffs gegen einen Infektionserreger, sowie die eines Impfstoffs gegen Krebs.

Welche drei Tipps habt ihr für andere Life-Sciences-Start-ups?
  • Positiven Spirit entwickeln und beibehalten
  • Netzwerke nutzen
  • Eigenes Geschäftsmodell kontinuierlich hinterfragen, verproben und anpassen

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